ZECKEN, FSME und BORRELIOSE
VORKOMMEN
Der Donau‑ Alpen‑ Adria‑ Raum, also Süddeutschland, Österrreich, die Schweiz und Teile Nord-Italiens gelten als Hauptverbreitungsgebiet „Endemiegebiet“ von Zecken. Man hat aber auch schon im hohen Norden am Polarkreis Zecken gefunden. In Bayern nennt man Zecken häufig „Holzbock“. Zecken gehören als Milben zu den Spinnentieren und sind deswegen gefährlich, weil Sie viele Krankheiten übertragen können. Zecken sind kleiner als ein Streichholzkopf. Wenn sie sich mit Blut vollgesogen haben, können Sie die Größe von Rosinen bis zu Kirschen (3 cm) erreichen. Haupt-Aktivität meist im Frühjahr und Frühsommer bis Oktober. Nach Beendigung der Blutmahlzeit (ca. 3–6 Tage) lassen sie sich einfach fallen. Ohne neue Nahrung können Zecken bis zu 4–6 Jahre überleben.
Je nach Entwicklungsstufe halten sich Zecken in ca. 20 cm bis 120 cm Höhe in geschützten, wärmeren Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit auf. Deshalb finden sie sich vor allem im Unterholz, in Gestrüpp und hohem Gras am Waldrand, aber auch an Büschen und Hecken in Freibädern und im eigenen Hausgarten. Je jünger die Zecke ist (also je niedriger die Entwicklungsstufe), desto näher am Boden hält sie sich auf und gelangen über die Kleidung an den Menschen. Die erwachsenen Formen klettern bis ca. 120cm und lassen sich fallen.
Zecken ritzen mit Ihrem Mundwerkzeug die Haut ein und lecken dann das Blut und die Lymphe. Der Zeckenstich (meist fälschlich als „Biß“ bezeichnet) dringt also nur oberflächlich in die Haut ein – und das ist auch der Grund, daß man Zecken in der Regel relativ leicht entfernen kann.
Zecken geben bei Ihrem Stich Substanzen an den Wirt ab, um die Blutgerinnung zu behindern und die Stichstelle zu betäuben. Über den Stichkanal können Krankheiten übertragen werden, ohne daß die Zecke selber daran erkrankt.
ZECKEN ALS KRANKHEITSÜBERTRÄGER
Krankheiten, die Zecken übertragen können:
- FSME (Früh‑ Sommer‑ Meningo‑ Enzephalitis), Hirnhautentzündung, die von Zecken übertragen werden kann. In Deutschland 200–500 Fälle pro Jahr, (2007 Meldung von 237 Fällen), es ist also eine ziemlich seltene Krankheit. Hiergegen kann man sich impfen lassen, was im Frühjahr von den Impfstoffherstellern auch entsprechend beworben wird. FSME kann aber auch in extrem seltenen Fällen durch die rohe Milch von Kühen oder Ziegen übertragen werden. Typische sind grippeähnliche Symptome, unbehandelt treten später Kopfweh, Lähmungen und Bewußtseinsstörungen auf.
- BORRELIOSE oder auch LYME disease oder Lyme-ARTHRITIS genannt. Hier werden durch den Zeckenbiß Bakterien (Spirochäten) übertragen, die sich im Menschen ausbreiten können und zu einer Vielzahl von teilweise dramatischen Erkrankungen führen können. Hiergegen gibt es KEINE IMPFUNG, man kann sich nur durch entsprechendes Verhalten schützen (siehe unten). Auch Pferdefliegen können im Einzelfall Borreliose übertragen. Nach einer Studie von 1985 waren in den Münchner Isarauen über 30 % der Zecken mit Borrellien infiziert. Damit ist die Gefahr relativ hoch, durch einen Zeckenstich mit Borrelien infiziert zu werden. Pro Jahr werden in Deutschland zwischen 50.000 und 100.000 Infektionen gemeldet! – bei entsprechender Dunkelziffer von nicht gemeldeten Fällen. Erstaunlicherweise schwanken die Zahlen hierzu allerdings erheblich, es gibt wenige nachprüfbare wissenschaftliche Belege, die sich zum Teil auch widersprechen – und das gilt ebenso für die Therapie. Obwohl die Erkrankung sehr weit verbreitet ist und sehr ernste Folgen für die Erkrankten haben kann. Hier ist weitere wissenschaftliche Forschung dringend gefordert!
- Erste Zeichen einer Infektion mit Borreliose sind in der Regel unspezifisch wie Fieber, Kopfweh und Schwäche. Beweisend ist die typische kreisförmige Rötung Erythema migrans (Wanderröte) – ausgehend von der Stichstelle, meist zusammen mit einer Gelenksentzündung (Arthritis). Näheres siehe unten.
Andere seltenere Erkrankungen:
- Babesiose, selten, Erreger: babesia mikroti, v.a. im Mittelmeerraum, auch „Hundemalaria“ genannt wegen der Ähnlichkeit der Symptome: Fieber, Müdigkeit, Muskelschmerz; verursacht durch Platzen der roten Blutkörperchen nach Befall.
- Erlichiose, selten, Befall der weissen Blutkörperchen (Phagozyten), Verlauf meist ohne Symptome, wenn doch, dann ähnlich Babesiose.
- Fleckfieber und „Rocky mountain spottet fever“ (Rickettsiose), selten, Rickettsien dringen in die Wände der Blutgefässe (Kapilaren von Haut und Schleimhaut) ein, was zu den typischen punktförmigen Blutungen der Haut, innerer Organe und zu einer Entzündung der Lymphgefäße führen kann.
- Krim‑ Kongo Fieber, sehr selten, durch Virus CCHFV, behindert die Blutgerinnung: hämorrhagisches Fieber.
- andere
WIE KANN MAN SICH SCHÜTZEN? UND WAS IST ZU TUN?
Geschlossene, helle Kleidung (damit man die Zecken besser erkennen kann), möglichst Stiefel und hohe Socken, besser Strümpfe. Nach einem Aufenthalt in Unterholz und Waldrand die Kleidung und den Körper (insbesondere die behaarten Stellen) nach Zecken absuchen, bei Stich die Zecke entfernen (siehe unten).
Nachdem die Borreliose mit Abstand die häufigste Zecken-Infektion ist, beziehen sich die weiteren Hinweise vor allem auf Borreliose:
Die meisten Stiche einer Zecke führen glücklicherweise NICHT zu einer Infektion wie der Borreliose. Die Erreger (Spirochäten) befinden sich im Magen‑ Darmtrakt und werden frühestens nach 8–12 Stunden (manche sprechen auch von 24 Stunden) auf den Menschen übertragen. Wenn die Zecke also innerhalb dieses Zeitfensters entfernt wird, ist das Risiko für eine Infektion wie die Borreliose sehr sehr gering!
Falls Sie von einer Zecke gestochen werden, sollten Sie mit einigen Fotos die Stichstelle mit Zecke und nach Entfernung der Zecke dokumentieren. Dies ist sehr hilfreich bei einer Anerkennung als Berufskrankheit, aber auch bei Auseinandersetzungen mit Versicherungen. Wir empfehlen sehr, die Zecke unmittelbar nach Entfernung in ein spezielles Zeckenlabor zur PCR‑ Testung auf Krankheitserreger einzuschicken. Wenn man das aus Kostengründen nicht tun will, sollte man zumindest die Zecke für einige Wochen z.B. in eine mit Datum versehene Gefriertüte einwickeln und an einem trockenen Ort aufbewahren. Wenn dann Krankheitsymptome auftreten, kann man auch noch nach Wochen die Testung auf Krankheitserreger durchführen.
Für die Entfernung der Zecke hat sich das UNTERSPRITZEN der Zecke mit PROCAIN sehr bewährt => Zeckennotfallset – „Zecken-Survivalkit“ – bestellbar über das Kontaktformular (Kosten: 4,95 Euro plus Versand – inkl. ausführliche Beschreibung). Mit einer hauchfeinen Nadel wird Procain unter die Zecke gespritzt. Es entsteht eine größere Quaddel, so daß die Zecke wie auf einem Berg sitzt, dann kann man die Zecke völlig schmerzlos (Haut ist betäubt) und sicher entfernen.
Wie erst kürzlich aus dem 2. Weltkrieg freigegebene Akten zeigen, wurde diese Behandlungsart im Rußlandfeldzug von den russischen Soldaten bei Schlangenbiß mit so hervorragendem Erfolg eingesetzt, daß die Deutschen ein „russisches Geheimelixier“ vermuteten. Auch heute kann das „Survivalkit“ sehr gute Dienste leisten – als erste Notfallmaßnahme bei jeglichen Biß- und Stichverletzungen durch giftige oder infizierte Tiere (Bienenstich, Schlangen, Hunde, Katzen, Spinnentiere wie Skorpion etc).
Die Entfernung der Zecke führt man möglichst bald nach dem Stich durch. Nach Setzen der Quaddel (siehe oben => Zeckensurvivalkit) zieht man LEICHT und nachdrücklich am Kopf der Zecke – ohne ihn abzureissen und ohne zu drehen! Die Schneid-Beisswerkzeuge der Zecke haben kein Gewinde. Dabei ist es wichtig, den Zeckenkopf möglichst nahe an der Haut zu greifen und den Körper der Zecke nicht zu drücken, weil man damit den Darminhalt (mit den Erregern) geradezu in die Haut pressen würde. Wenn man den Kopf nicht so gut fassen kann, sind auch spezielle Pinzetten hilfreich – am Besten solche, die am Ende abgeknickt (gekröpft) sind, so daß man den Zeckenkopf greifen kann – ohne den Körper zu drücken. Falls doch etwas in der Haut verbleiben sollte, ist es sehr ratsam, innerhalb von 6–8 Stunden nach Stich einen Arzt aufzusuchen.
Von Behandlungen mit anderen SpezialWerkzeugen (wie der „Zeckenschlinge“) oder ein Beträufeln mit Öl, Nagellack oder Spray ist wegen der Komplikationsgefahr dringend abzuraten!
Eine KURZE GESCHICHTE der LymeArthritis/Borreliose und NEUE ERKENNTNISSE
Warum ist die Borreliose ein Chamäleon?
In der Stadt OLD LYME in Conneticut (USA) trat 1974 erstmals ungewöhnlicherweise eine Arthitis bei einem Jugendlichen auf. 1975 erkrankten bereits 40 Jugendliche in Old Lyme und insbesondere die gesamte Familie von POLLY MURRAY, die daraufhin nachdrücklich bei den Behörden auf Aufklärung drängte. Schliesslich untersuchte der Rheumatologe A.C. STEERE von der benachbarten YALE Universität die Vorfälle und stellte fest, daß es sich um eine spezielle Gelenksentzündung handelte (die sich von der Rheumatischen Arthritis in wesentlichen Punkten unterschied) und daß in ungefähr der Hälfte der Fälle gleichzeitig eine ringförmige Rötung auftrat.
Es folgte eine Reihe weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen und Veröffentlichungen, dabei konnte 1980 von der Yale‑ Universität nachgewiesen werden, daß eine Penicillinbehandlung die Krankheitsdauer wesentlich verkürzte. Also handelte es sich um eine Infektion – aber womit?
1981 gelang es dem Schweizer Willi Burgdorfer, den Erreger der Krankheit nachweisen. Es fand in Zecken ein spezielles Bakterium, die Spirochäte „Borrellia“, die später nach ihm Borrellia burgdorferi genannt wurde.
Im englischsprachigen Raum wird die Erkrankung nach Ihrem Entdeckungsort LYME DISEASE (Lyme Krankheit) genannt, im deutschsprachigen Raum spricht man hingegen von BORRELIOSE oder LYME‑ BORRELIOSE.
Zecken haben verschiedene Tricks entwickelt, um sich im Wirtsorganismus zu tarnen. So konnte Straubinger 1998 an Hunden nachweisen, daß Borrelien nach Eindringen in den Blutkreislauf sehr schnell in schlecht durchblutetes Gewebe wie die Organ‑ und Gelenkkapseln wandern. Zudem wurde 2006 gezeigt, daß Borrelien Ihre Zellwand ändern können, so daß die Abwehr sie zunächst nicht erkennt. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Freiburg, Heidelberg und Jena wies im Jahr 2005 nach, daß sich Borrelien der Immunantwort entziehen können, indem sie sich als menschliche Zellen tarnen!
Möglicherweise können Borrelien auch an der Entstehung von „Biofilmen“ mitwirken. Solche Strukturen können verdichtete Mikroorganismen auch unterschiedlicher Art aktiv herstellen. Hinter dem „Biofilm“ verstecken sich die Erreger vor der Körperabwehr. 2005 wurden Gene von Borrelien in einem solchen Biofilm nachgewiesen.
Borrelien können sich zudem z.B. unter Antibiotikatherapie in Zysten zurückverwandeln (in dieser Form unempfindlich gegen Antibiotika), die dann wieder zu Spirochäten werden können. Auch können Sie Ihre Form von aktiv-länglich zu einer kugelförmigen bewegungsunfähigen Ruheform verändern und so 3–4 Wochen überleben.
DIAGNOSE (Symptome und Nachweis)
Wenn man gestochen wurde, erst einmal Ruhe bewahren! Keine Panik! Wenn die Zecke innerhalb von 6–8 Stunden nach Stich entfernt wird, hat man mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Krankheit zu erwarten.
GAN Z WICHTIG: Die Zecken nach Entfernung am Besten AN EIN SPEZIELLES ZECKENLABOR SCHICKEN. Wenn man das aus Kostengründen nicht tun will, bitte die Zecke unbedingt aufheben! Auch noch nach mehreren Wochen kann das Speziallabor sogar aus vertrockneten Zecken nachweisen, welche Erreger sich in der Zecke befunden haben – also BITTE ZECKEN NACH ENTFERNUNG ans Labor schicken oder zumindest AUFHEBEN!
Borreliose ist ein „Chamäleon“, anfangs zeigen sich oft keine oder nur geringe Symptome. Man erkennt die Beschwerden häufig nicht als Borreliose, da nur grippeähnliche Symptome mit nächtlichen Rücken‑ und Gelenk-Schmerzen, sowie Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Leistungsschwäche auftreten.
Beweisend für eine Infektion mit Borreliose ist das Auftreten der typische Hauterscheinung Erythema migrans „EM“ (Wanderröte): ringfömige Rötung, meist in der Mitte blaß, die über den Körper wandert. Es gibt aber auch Infektionen mit Borreliose, bei denen sich KEIN Erythema migrans (EM) zeigt.
Sehr häufig mit EM verbunden sind Gelenksbeschwerden (Lyme‑“Arthitis„). In späteren Phasen können sich auch sehr massive Erscheinungen wie Lähmungen und Nervenausfälle einstellen, deshalb wird das dieses Stadium häufig Neuro-Borreliose genannt. Die genauen Bezeichnungen und Einteilung in Stadien befinden sich in laufendem Wandel.
Borrelien konnten nachgewiesen werden in Gehirnen von Alzheimer Patienten, bei ALS (Amyothrope Lateralsklerose) und bei Sarkoidose. Es gibt weitere wissenschaftliche Publikationen mit Hinweisen, daß die Borreliose in Zusammenhang stehen könnte mit der Entstehung der chronisch progredienten Enzephalomyelitis (Multiple Sklerose) und eine Rolle spielen könnte bei bestimmten Psychosen (Schizophrenie), Lichen Sklerose und bei der zerebralen Vaskulitis. Diese Hinweise benötigen dringend der weiteren wissenschaftlichen Abklärung.
In Deutschland werden 3 Stadien der Borreliose unterschieden, dies hat sich allerdings international nicht durchgesetzt.
- Stadium: grippeähnliche Allgemeinsymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfweh. Dazu kommen typischerweise das Erythema migrans (Wanderröte) und die Entzündung eines oder mehrerer Gelenke (meist Kniegelenk), Muskelschmerzen, Juckreiz, Kopfschmerz, Bindehautentzündung, Rachenentzündung, Brochitis, Lebervergrößerung, Lymphstau…
- Stadium: die Infektion löst weitere Entzündungen in unterschiedlichen Gelenken aus, so z.B. zusätzlich Schultergelenksentzündung oder Hüftgelelenk, auch allgemeine Gelenkschmerzen. Nervenentzündungen auch des Gehirns, Hirnhautentzündungen, Herzentzündungen, Augenbeteiligung (z.B. Entzündung der Regenbogenhaut)…
- Stadium: immer wieder auftauchende und/oder chronische Entzündung mehrerer Gelenke und von Muskeln, PCP, MS‑ähnliche Symptome, chronische Gehirnentzündungen, Nervenentzündungen…
In der neuesten Literatur wird unterschieden in eine
- frühe lokalisierte Erkrankung, Erythema migrans (EM) ist beweisend für Borreliose, auch wenn kein Nachweis im Blut gelingt; Problem hierbei: EM tritt nur bei ca 30 % der Borreliose auf! Und: EM kann auch bei anderen Erkrankungen auftreten!
- frühe disseminierte Erkrankung: die Erkrankung betrifft wechselnde Organe, von unterschiedlichen Gelenken bis zu Herz, Nieren, Leber, Muskel
- Chronisch persistierende LymeBorreliose (Krankheitsymptome dauern länger als 6 Monate)
- Spätformen: Lymearthritis, Neuroborreliose, Acrodermatitis chronica atrophicans ACA, …
- Post‑ Lyme‑ Syndrom (ähnlich CFS chronisches Fatique Syndrom = chronisches Müdigkeitsyndrom, ähnlich Fibromyalgie)- Enzephalopathie (Gedächtnisstörung, Schlafstörung, Stimmungschwankungen etc) und Polyneuropathie (Nervenerkrankung)
Wenn die Wanderröte zusammen mit einer Gelenksentzündung auftritt, dann gilt eine Infektion mit Borreliose als bewiesen und spätestens jetzt sind entsprechende Nachweise sehr wichtig. Allerdings sind die Untersuchungen aus dem Blut (Serologie) leider nicht zuverlässig, um die Aktivität von Erregern zu messen, da man mit diesen Tests nur die Antikörper nachweist, die der Körper einmal gegen die Erreger gebildet hat. Das kann auch lange zurück liegen. Aus diesem Grund empfehlen wir bei Zeckenstich ein Vorgehen in vier Schritten:
1. Schritt: Zecke fotographieren, dann entfernen und Stichstelle erneut fotographieren um Hautveränderungen und die genaue Lage zu dokumentieren. Stichstelle desinfizieren und die Zecke umgehend an ein Labor senden zur PCR. Falls man die Kosten für den Nachweis scheut (ca. 30 Euro pro Nachweis), dann wenigstens die Zecke aufheben!
2. Schritt: Wenn sich durch das Labor herausstellt, daß die Zecke infiziert war, dann sofort eine Antibiotikatherapie AB (z.B. Doxycyclin 2 × 200mg oder Tetracyclin 3 × 500mg oder Minocyclin 2 × 100mg) beim Arzt beginnen – ohne das Auftreten von Symptomen abzuwarten! Warum? Das Risiko der Enstehung einer Borreliose kann durch eine frühe Antibiose nachweislich erheblich vermindert werden. In der Abwägung zwischen einer vielleicht unnötigen Antibiose und der möglichen erheblichen Gesundheitsgefährdung einer Borreliose erscheint ein solches Vorgehen das geringere Risiko.
3. Schritt: Ab dem 10. Tag empfehlen wir, einen Borrelien LTT (Lymphozyten-Transformations-Test) durchzuführen, um die aktive Borrelieninfektion nachzuweisen. Wenn der LTT positiv ist, dann weitere Einnahme von Antibiotika AB für ingesamt 30 Tage nach Zeckenstich. Durch die Frühbehandlung kann das Risiko erheblich verringert werden. Wenn der LTT Test aber negativ ist und keine Hinweise auf Infektion vorliegen (kein Erythema migrans), dann kann die AB Einnahme beendet werden.
4. Schritt: 4–6 Wochen nach dem Stich ist eine serologische Untersuchung sinnvoll mit Antikörpertiter UND Immunoblot zum Nachweis spezifischer Banden.
Borrelien-Nachweis: im Blut (Serologie)
- ELISA (Antikörpersuchtest), Nachweis der Antikörper (also, daß einmal eine Infektion stattgefunden hat) aber KEIN Nachweis der Aktivität‑ damit auch keine Therapiekontrolle möglich!
- Western‑ oder ImmunoBlot, Nachweis der Eiweißwände der Borrelien => „spezifische Banden“
- LTT (Lymphozytentransformationstest): Immunantwort der Lymphozyten auf aktive Borrelien (siehe oben)
- PCR (Polymerase-Chain-Reaction): spezifische DNA‑ Analyse, womit der direkte Erreger in Gelenkpunktaten, betroffenem Gewebes und Haut, sowie im Liquor (Blut und Urin sind weniger geeignet) nachgewiesen wird – insbesondere aber auch direkt aus der Zecke möglich (was wir empfehlen!). Eine positive PCR aus dem Blut beweist eine aktive Borrelieninfektion und ist damit auch zur Therapiekontrolle geeignet – im Abstand von ca 6 Wochen.
- FFM focus floating microscopy – von der Universität Innsbruck entwickelt, direkter immunhistochemischer Nachweis aus Hautbiopsie, sehr hohe Sensitivität und Spezifität
Naturheilkundliche Verfahren:
- Kinesiologie
- Bioresonanz
Bei diesen Verfahren ist es besonders wichtig, sich der fachlichen Qualifikation und Erfahrung des Testers zu vergewissern, da man sonst zu falsch positiven oder falsch negativen Ergebnissen kommt! In Anbetracht der Tragweite hätte das dramatische Konsequenzen. Wenn jemand allerdings ein guter und erfahrener Tester ist, kann man mit diesen Verfahren ein hervorragendes screening (Suchtest) machen, als auch eine verläßliche Verlaufkontrolle. Auch aus Sicherheitsgründen und zur Gegenkontrolle empfehle ich allerdings immer die Kombination mit einer guten serologischen (Blut) Untersuchung in einem Speziallabor.
THERAPIE bei Borreliose
Die Therapie richtet sich nach den Symptomen. Der langfristige Verlauf von Laborparameter ist schwierig zu interpretieren, da oft falsch negativ und individuell sehr unterschiedlich. Manchmal genügen wenige Behandlungen, häufig ist die Therapie aber leider langwierig und erfordert Durchhaltevermögen und viel Geduld von Patient und Arzt!
- Antibiotika (häufig Doxycyclin‑ siehe oben), auch extrem lange (im Einzelfall auch über ein Jahr!) und hochdosierte Einnahme notwendig, da Borrelien in verschiedenen Stadien überleben können. Dabei ist die gleichzeitige Durchführung einer intensiven Aufbautherapie für die Darmflora sehr wichtig! Oft ist eine „gepulste“ Antibiotika‑ Therapie oder auch eine Kombi-Therapie mit unterschiedlichen Antibiotika hilfreich.
- Hintergrund: Über die „richtige“ Therapie herrschen unter Experten sehr unterschiedliche Auffassungen vor. Von Universitärer Seite wird in der Regel eine Antibiotikatherapie von maximal 4 Wochen als ausreichend angesehen. In der Praxis zeigt sich aber häufig, daß diese Dauer der Antibiotikagabe leider nicht ausreicht und im Einzelfall sehr viel länger fortgeführt werden muß. Die genaue Festlegung ist auch deswegen so schwierig, weil Aktivitäts‑ und Therapiemarker bis heute fehlen. Bis heute gibt es hinter den Kulissen heftige rechtliche Auseinandersetzungen um die „offiziellen Therapierichtlinien“. Nicht zuletzt vielleicht auch deswegen, weil damit erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen zusammen hängen – man denke nur an die Therapiekosten!
- Antibiotika Therapie mit orthomolekularen Substanzen (siehe unten) unterstützen!
- Bienengift (Venex) als Mikro-Injektion, z.B. über schmerzenden Gelenken z.B. (bei LYME Arthitis)
- Procain‑ Basen‑ Infusion als Schmerztherapie und zur Sanierung des Grundsystems
- Neuraltherapie und Mesotherapie über schmerzenden Arealen und zur Stabilisierung des vegetativen Nervensystems
- Sanierung des inneren Milieus durch Entgiftung und Entsäuerung (“Grundbehandlung“: Neuro-Vegetative‑ Milieu‑ Therapie NVMT)
- Kolloidales Silber
- Karde
- MSM
- Rhizole, oral oder/und als Infusion
- Bioresonanztherapie
- Kinesiologische Therapie oft mit Schwermetallausleitung
- Ozon‑ Sauerstoff-Therapie (GEB = große Eigenbluttherapie)
- andere
Orthomolekulare Therapie:
- Magnesium ca 500 mg/Tag
- Essentielle Fettsäuren: Leinöl, Arbganöl, Fischölkapseln etc
- CoEnzym Q10 200mg/Tag
- VitB Kplx (v.a bei neurologischen Symptomen)
- Antioxidantien VitA VitC VitE langfristig oral, aber wegen der begrenzten Aufnahmefähigkeit auch wiederholt als Infusion!
- andere
Stressvermeidung, psychisch (zelluläre Milieuveränderungen):
- nicht Rauchen
- kein Alkohol
- kein Schlafmangel etc. …
PSYCHE
Viele Menschen, die an Borreliose erkranken, haben eine lange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, weil die Krankheit meist erst nach langer Zeit – wenn überhaupt – erkannt wird. Wenn sich keine körperlichen Ursachen finden, wird im weiteren Verlauf irgendwann auch der Verdacht auf eine psychische Erkrankung geäußert und der Patient oft zum Simulanten oder zum „Psycherl“ abgestempelt. Das ist auch deswegen fatal, weil so der notwendige Kampfeswille geschmälert wird und sich eine solche fehlerhafte Einordnung auch auf das Immunsystem auswirkt. Die Wissenschaft der Psycho-Neuro-Immunologie hat diese grundsätzlichen Zusammenhänge sehr eindrucksvoll nachgewiesen.
Der andauernde Expertenstreit über die „richtige“ Therapie und deren Dauer erscheint nicht am Patientenwohl orientiert, sondern von Einzelinteressen geleitet und ist kontraproduktiv für die Genesung. Seitens des Patienten ist deshalb erhebliche zusätzliche – und eigentlich unnötige – Initiative und Anstrengung gefordert!
Für eine erfolgreiche Behandlung ist neben einer guten körperlichen Therapie eine lösungsorientierte innere Einstellung und die langfristige Hilfestellung durch das Umfeld wie Partner und Familie sehr notwendig. Häufig empfiehlt sich die Unterstützung durch psychotherapeutische Maßnahmen.
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Beste bisher gelesene Abhandlung!!!
Aufklärend, beruhigend aber auch alarmierend in meinem Fall:
war schon 2xinfiziert, Behandlung ⅿ. Antibiotika,
danach erhöhtes Zeckenvorkommen auf mir!
Meine Sommerlebensqualität ist im Keller, da ich mich nicht einmal im eigenen Hausgarten bewegen kann, ohne mir wieder eine – gestern entdeckt – winzig kleine Zecke einzufangen, die mind. 2 Tage am Oberschenkel saß und wegen ihrer Winzigkeit früher nicht auffiel. Starke Kopfschmerzen, Blutdruck 140⁄88 statt wie normal 110⁄60 und schneller Puls lenkten den Verdacht auf Aterien-Entzündung. Bei 25 Grad kann ich mich nicht wie vorgeschlagen einhüllen, und mich täglich mehrmals einzusprühen scheint mir bei meinen Allergien und Empfindlichkeiten keine Lösung.
Haben Sie einen Vorschlag, wie ich mich schützen kann?
Die Eigenschaft „Super Zeckenwirt“ habe ich erst seit etwa 3 Jahren.
Haben sich die Zecken so stark vermehrt?
Falls Sie an dieser Stelle nur ein Feedback für Ihre Abhandlung sehen wollten, bitte ich um Nachsicht,
hoffe aber trotzdem auf Antwort.
Es grüßt Sie
Roswitha Feldgen
Liebe Frau Feldgen
das ist ja wirklich eine scheußliche Sache, irgendwie scheinen Sie magnetische Kräfte für Zecken zu haben… Es gibt wohl keine nachweisbare Super‑ Zeckenvermehrung, aber wohl schon eine höhere Infektion der vorhandenen Zecken mit Borrellien. Und wenn man vermehrt auf etwas achtet, dann erscheint einem das viel häufiger aufzutreten. Es könnte also auch ein Wahrnehmungseffekt sein.
Gab es denn vor 3 Jahren irgendein Ereignis, was Sie wesentlich verändert hat? Starke Gewichtsschwankung, Schwangerschaft, hormonelle Umstellung, eine ernstere Erkrankung, eine berufliche oder private Veränderung? Vorher hatten Sie ja offensichtlich nicht diese erhöhte Anziehungskraft auf Zecken… Vielleicht findet sich hier ein Schlüssel.
Ja, was kann ich Ihnen raten?
Es bleibt zunächst bei der Empfehlung, helle Kleidung zu tragen (es gibt viel sommerliche helle Kleidung), allerdings werden Sie nicht um „geschlossene“ Kleidung herum kommen, weil sich sonst bestimmt die nächste Zecke wieder bei Ihnen einnistet. Wichtig ist auch wirklich die genaue Kontrolle des Körpers wenn Sie zurück kommen. Manchmal hilft auch die vermehrte Einnahme/Injektion von Vitamin‑ B Komplex. Wir haben in der Praxis eine „Spezialspritze“, die wir insbesondere auch gegen Stechmücken einsetzen.
Dann wäre es vielleicht doch überlegenswert, worin denn Ihr Magnetismus für Zecken besteht: ganz grundsätzlich könnte z.B. ein leicht erhöhter Zuckerspiegel vorliegen und das kann auf manche Insekten sehr verlockend wirken – wie ein Leckerli. Wenn Sie so gar nicht weiter kommen, wäre auch einmal eine kinesiologische Testung sinnvoll. Das muß allerdings jemand machen, der das wirklich kann und sich bei der Testung persönlich zurück nimmt.
Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen guten Erfolg bei dem Abbau der „Superzeckenwirtschaft“…
Dr. Thomas Beck
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