Praxiswebseite von Dr. Dr. Thomas Beck

Naturheilkundliche Privatpraxis München

RHEUMA: Ursachen und Behandlung

Was ist eigentlich Rheuma?

Unter Rheuma versteht man 200 bis 400 verschiedene Krankheiten des Bewegungsapparats – oder besser: des Bindegewebes – die schmerzhaft und chronisch verlaufen. Rheuma kommt von griechisch „rheo“ = „ich fliesse“  – und meint fliessende, ziehende, reißende Schmerzen. Diese Bezeichnung geht zurück auf die mittelalterliche Vorstellung der Humoralpathologie, nach der Rheuma durch ein Herunterfliessen von kaltem Schleim aus dem Gehirn zu den Extremitäten entsteht. Diese Vorstellung aus der Überlieferungsmedizin mag vielleicht im ersten Moment befremden, aber wenn man sich auf den Gedanken einlässt, kann man vielleicht das Bild nachvollziehen. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden rheumatische Erkrankungen teilweise ähnlich erklärt.

Also ist Rheuma ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen, die man heute besser als „Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises“ bezeichnet. Dazu gehören:

  • Die akute (bakterielle) Polyarthritis, Rheumatisches – Fieber, rheumatische Herzentzündung (Endokarditis, Myokarditis, Perikarditis); immunologische Allgemeinerkrankung, kann auftreten als Zweiterkrankung nach einem bakteriellen (Streptokokken)Infekt; Symptome: schmerzhafte Rötung und Schwellung verschiedener Gelenke, hohes Fieber
  • Gelenkrheumatismus und entzündliche Gelenkrheumatismus“ oder auch genannt akute rheumatische/rheumatoide Arthritis (akute Entzündung der Gelenkinnenhaut), hierzu gehört auch der Morbus Bechterew, geht meist über in:
  • Chronisch degenerativer Rheumatismus oder Arthrose oder Arthrosis deformans oder primär chronische Polyarthritis (PCP), Spondylose, Osteochondrose; (fortschreitende abakterielle Entzündung zahlreicher Gelenke), ⅔   aller Menschen über 70 Jahre, typische Morgensteifigkeit der Gelenke
  • Muskelrheumatismus oder Weichteilrheumatismus betrifft nicht die Gelenke sondern Muskeln, Sehnen und Schleimbeutel; ca 40 % der rheumatischen Erkrankungen

a) lokal begrenzt wie bei Tennisellenbogen, Sehnenscheidenentzündung, Karpaltunnelsyndrom, Schulter-Arm-Syndrom, Morbus Sudeck,…

b) generalsisiert: Fibro-My-Algie, früher auch Fibrositis genannt

  • Kollagenosen wie z.B. Sklerodermie als systemische Erkrankungen. Hier sind dann oft nicht einzelne Organe betroffen, sondern gleichartige Gewebe in unterschiedlichen Organen wie bei den sehr schwerwiegenden und meist auch ernst verlaufenden Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitiden).
  • Rheuma kann die unterschiedlichsten Organe wie auch das zentrale Nervensystem (ZNS) betreffen, so wird von manchen auch die Multiple Sklerose zu den rheumatischen Erkrankungen gezählt.

Ursache

Bei den rheumatischen Erkrankungen handelt es sich meist um sogenannte Autoimmunerkrankungen. Die Abwehr (weisse Blutzellen) richtet sich aus unbekanntem Grund plötzlich gegen eigene Gewebe und greift diese an – bis zur Zerstörung. Dieser Angriff führt zu einer Entzündung. Die Entzündungen können mit oder ohne bakterielle Ursache auftreten.

Integrativ medizinisch – naturheilkundlich verstehen wir die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises als Bindegewebserkrankungen (Mesenchym) auf der Basis eines gestörten Stoffwechsels (Metabolismus). Das Neuro‑ Vegetative Milieu ist gestört.

Durch eine eiweißlastige Ernährung (Fleisch und Fisch) produziert der Stoffwechsel vermehrt Harnsäuren (Gicht), die in der Leber über den Harnstoffzyklus (Ornithin‑ Citrullin) abgebaut werden (bei jedem der vier Stoffwechselschritte wird ein stickstoffhaltiges Abbauprodukt (AmmoniumIon) in eine Aminosäure eingebaut und damit entfernt).

Der Stoffwechsel (Metabolismus) ist in saurem Milieu verlangsamt und erschwert. Ein schlechter Stoffwechsel produziert vermehrt Säuren. Umgangsprachlich sagt man: ich bin „sauer“.

Die Säuren müssen neutralisiert werden durch Puffersysteme, durch Ausscheidung (Darm, Leber, Niere, Haut, Lymphe und Atmung) oder durch Ablagerung (im Bindegewebe). Das führt zur latenten Bindegewebsübersäuerung (Azidose). Das Bindegewebe (Mesenchym) wird zum Zwischen‑ und Endlager für Säuren („Schlacken“) und in seiner ausgleichenden (homöostatischen) regenerativen Funktion behindert, die Entzündungsneigung steigt an.

Es gibt in der klinischen Medizin viele Belege für entzündliche Ursachen bei Rheuma: Das rheumatische Fieber (Akute Polyarthritis) tritt typischerweise bei disponierten Patienten nach einem Streptokokkeninfekt auf. Bei einer bestimmten Gruppe von rheumatischen Krankheiten, den „infektreaktiven Arthritiden“, konnte man nachweisen, dass die rheumatischen Symptome nach einer bakteriellen Infektion z.B: des Darms oder des Urogenitaltrakts auftreten, also als Reaktion auf eine bakterielle Überschwemmung des Körpers, eine bakterielle Entzündung ist also der Auslöser. Beim Gelenkrheumatismus führt bekanntermaßen die chronische Entzündung zur Gelenkszerstörung.

In der Darmschleimhaut (in den „Peyerschen Plaques“) liegt das größte Reservoir an Immunzellen. Entzündungen behindern die Bildung und Aussendung der Immunzellen, es kommt zu Störungen des Immunsystems. In wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die meisten rheumatischen Erkrankungen eine Störung des Immunsystems zur Ursache haben.

Viele Rheumatiker haben eine chronische Darmentzündung, was auch zu einer verminderten Aufnahme z.B. von Zink führt (bei gleichzeitig erhöhtem Verbrauch und Bedarf), dabei schwächt Zinkmangel das Immunsystem und die Funktion der Thymuszellen. Bereits seit längerem ist bekannt, dass Zink zu einer Stabilisierung der Lysosomenmembran führt. Dreimonatige Zinksubstitution konnte auch Laborparameter wie erhöhte Alpha-2-Globuline sowie eine erhöhte Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit positiv beeinflussen. Zink ist Co-Faktor der Superoxiddismutase, die als Radikalfänger fungiert bzw. Wasserstoffsuperoxid abbaut.

(Auszug aus der Österreichischen Apothekerzeitung: http://www.oeaz.at/zeitung/3aktuell/…_2002defi.html)

Aus der Fettsäure Arachidonsäure werden Entzündungsfaktoren (Eicosanoide) gebildet. Diese Entzündungsmediatoren lösen die Entzündungen aus: Thromboxan2, Prostaglandin, Leukotriene. Nur tierische Lebensmittel enthalten höhere Mengen Arachdonsäure. Das sind vor allem tierische Fette, den höchsten Arachidongehalt haben Schweineschmalz (1700 mg/100g Lebensmittel) und Schweineleber (870 mg/in 100gr) (nach: Adam 1994). Eine Reduktion von Arachidonsäure vermindert die Entzündungsmediatoren und damit die rheumatischen Entzündungen. Durch die vermehrte Zufuhr von Omega 3 Fettsäuren (aus bestimmten Fischen) kann die Arachidonsäureaus dem Enzymsystem der entzündungsauslösenden Stoffe verdrängt werden.

Es konnten zwar genetische Einflüsse (Vererbung der Veranlagung) und Umwelteinflüsse (Rauchen verschlechtert) nachgewiesen werden.Die eigentliche Ursache dieser Störung des Immunsystems ist aber bisher wissenschaftlich nicht geklärt.

Rheumatische Symptome können auch auftreten als Begleiterscheinung anderer Krankheiten z.B. bei Morbus Parkinson, Osteoporose, bösartigen Erkrankungen oder bei Depression.

Außerdem konnte man nachweisen, dass Verletzungen Rheuma auslösen können und dass mangelnde Bewegung Rheuma verstärken kann.

Zusammenfassung: Eiweißlastige Ernährung führt zu vermehrter Produktion von Säuren, die u.a. im mesenchymalen Bindegewebe auch des Darms abgelagert werden (latente Gewebsazidose). Diese behindert die Funktion aller stoffwechselaktiver Gewebe, was zu einer Entzündungsneigung führt, auch des Darms (Ort der Immunkompetenz).

Auslösende Ursache einer rheumatischen Erkrankung ist häufig eine Entzündung auf dem Boden eines übersäuerten Gewebsmilieus, die über die gestörten Immunkompetenz zu einer Autoimmunkrankheit (Rheuma) führen kann.

Nachweis von Rheuma

Man kann Marker für die Störung des Immunsystems im Blut nachweisen (IGM – Antikörper oder auch  „Rheumafaktoren“). Allerdings hat nicht jeder Rheumatiker diese Marker im Blut – und es gibt auch Menschen, die kein Rheuma haben und dennoch diese Marker aufweisen. Insofern kann eine rheumatische Erkrankung hiermit nicht bewiesen werden, sondern die Marker werden eingesetzt zur Verlaufkontrolle und als Suchtest bei Verdachtsdiagnose.

Die chronischen Entzündungen bewirken an den Gelenken zunächst: Erguß, Schwellung, Rötung und Dauerschmerz und als Spätfolge schliesslich: Gelenkzerstörung, Fehlstellung, Funktionsverlust.

Die Sicherung von Diagnose, Bestimmung des Stadiums und Verlaufskontrolle ist nur möglich durch:

  • Beachtung der Symptome
  • Gründliche Anamnese (Krankengeschichte) und genaue körperliche Untersuchung
  • Labor (Nachweis von Antikörpern „Rheumafaktoren“
  • Bildgebende Verfahren (Röntgen, Szintigraphie, CT, NMR)

Therapie

Man unterscheidet a) Schmerztherapie und b) Basistherapie.

Schmerztherapie

a)      Reine Schmerzmittel (Analgetika) ohne Entzündungshemmung:

  • Paracetamol (Ben-uron)
  • Metamizol (Novalgin)
  • Flupirtin (Katadolon, Trancopal)
  • Opioide             Tramadol: (Tramal, Tramadolor)     Morphin: (MST)

b)      Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), mit Entzündungshemmung

  • Acetylsalicylsäure Derivate (z.B. Aspirin)
  • Arylproprionsäure Derivate (z.B: Ibuprofen)
  • Arylessigsäure Derivate (z.B. Diclofenac)
  • Indolessigsäure Derivate (Indometacin – ursprünglich ein Gichtmittel)
  • Anthranilsäure Derivate (z.B. Flufenamin‑, Mefenamisäure)
  • Oxicame (z.B. Piroxicam)
  • Pyrazolindione (z.B. Phenylbutazon, Metamizol)
  • Cox2 Hemmer (Coxibe) (Neue Gruppe der NSAR)

c)       Steroidale Antirheumatika

  • Kortikoide (z.B. Prednisolon)

Basistherapie

Hierunter versteht man Medikamente, welche die Antwort des Immunsystems unterdrücken „Immunsuppressiva“. Eine „Basismedikation“ muß ein Leben lang eingenommen werden. Oft ist das allerdings das kleinere Übel in Abwägung gegenüber den häufig massiven Symptomen.

Bevor man sich zur Basismedikation also Immunsuppression entschliesst, ist aus unserer Sicht ein ausreichend langer Therapieversuch mit naturheilkundlichen Maßnahmen der Milieusanierung (NVMT) sehr anzuraten. Die naturheilkundliche Therapie kann jederzeit auch begleitend oder zunehmend intensiver zu einer immunsuppresiven Basistherapie durchgeführt werden.

Wichtigster Vertreter der Immunsuppressiva ist Methotrexat

Andere: Cyclophosphamid, D‑ Penicillamin, Sulfasalazin und verschiedene Goldpräparate

Neue Gruppe: biologicals oder TNF-alpha Blocker (z.B. Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Rituximab…)

Naturheilkundlicher Therapieansatz

a)      Systemisch Umstellung der Ernährung:

Reduktion von arachidonhaltigen Nahrungsmitteln und

Einnahme von Fischöl (omega 3 Fettsäuren),

vermehrt Alpha‑ Linolen Säure: enthalten in Leinöl, Rapsöl, Weizenkeimöl, Walnussöl und Sojaöl,

vermehrt Dihomo‑ Gamma Linolensäure: enthalten in Nachtkerzenöl, Johannisbeeröl und Borretschöl (Reformhaus) Dosierung 2–3 g täglich

Orthomolekulare Medizin (siehe unten)

ggf. Umstellung auf vegetarische Ernährung,

Basenkost

u.U. Fasten

Regulation des Stoffwechsels, Bekämpfung der Übersäuerung (Azidose): durch die Einnahme von basischen Präparaten, Procain‑ Basen‑ Infusionen, Erhöhung der Pufferbasen und Mineralisierung

Aktivierung der Ausscheidungs‑ und Entgiftungsorgane: Leber/Galle, Darm, Haut, Atmung, Lymphe: feucht heisse Leberwickel, Kräuterbasen, Bewegungsübungen, Atemtherapie, Wickel, Ausleitungstherapien: mit basischen Bädern (Sitz/Fußbad)

Darmsanierung (z.B. mit Colon Hydro Therapie CHT) und/oder mikrobiologischer Therapie und damit auch Regulation der Immunantwort

b)      „Geistiges Entschlacken“ Lebensordnung, Stressbewältigung  www.das-stress-seminar.de

c)       Bewährte pflanzliche Arzneimittel für den Bewegungsapparat

  • Teufelskralle
  • Weihrauch (wirkt auch gegen Entzündungsmediatoren) Achtung: bei unklarer Herkunft oft hohe Bleibelastung!
  • Rhus toxicodendron comp

d)      Lokale Therapie und Schmerztherapie: physikalische Therapie: Kälte beim akuten Rheumaschub (als Kryotherapie in der Kältekammer), Wärme bei chron. Rheuma

e)      Sinnvolle Zufuhr von Orthomolekularen Substanzen (Mischung nach Dr. Dr. Beck):

  • Zinksulfat 3 × 50 mg Erhaltungsdosis/bzw 3 × 200mg zum Auffüllen (organischer Zink) (wenn die Speicher einmal geleert wurden, braucht es häufig Monate zum Wiederauffüllen – bis dahin 3 × 200mg); Zink wiederholt auch als Infusion wegen der begrenzten Aufnahmekapazität des Darmes
  • Selen 200 mcg (nicht zusammen mit Vit Ⅽ einnehmen, 2 Stunden Abstand halten) Die Ascorbin-Säure Vit Ⅽ kann Selen inaktivieren
  • Vit Ⅽ (Antioxidans) 3 × 1 gramm
  • Magnesium 3 × 100 mg
  • Omega 3 Fettsäuren 1 × 5 gr
  • Multivitaminpräparat (C, E, Provitamin A, B1, B2, B6)

3 Reaktionen zu “RHEUMA: Ursachen und Behandlung”

  1. Christa Lais-Ernsberger

    Schmerzmittel bei Lupus erythr.

  2. Christa Lais-Ernsberger

    Frage : Schmerzmittel bei Erythromat.

  3. BeckDoc

    Sehr geehrte Frau Lais Ernsberger

    gern würde ich auf Ihre Frage antworten, ich befürchte nur, daß ich Sie leider nicht wirklich verstanden habe.
    Wollen Sie gern wissen, welche Schmerzmittel ich bei Erythromatose und bei Lupus empfehlen würde?

    Grundsätzlich bin ich ein Befürworter einer sogenannten „Grundbehandlung“. damit ist eine „grundlegende Regulationsstärkung“ gemeint, also der Körper soll wieder in die Lage versetzt werden, sich selber zu heilen.
    Dazu gehören die effektive Behandlung des Säure-Basen-Haushalts, genauso wie Maßnahmen zur Beseitigung von Störherden (Neuraltherapie), Ausleitung von Stoffwechselendprodukten (“Schlacken“) und von einlagerten Schwermetallen.
    Aber auch die seelische Ebene (unerlöste seelische Konflikte) muß einbezogen werden.

    Was das praktisch an Maßnahmen bedeutet, muß man dann im Einzelfall genau überlegen. In der Regel empfehle ich bei meinen Patienten eine Serie (mindestens 8–12) von Neuraltherapiebehandlungen und Procain‑ Basen‑ Infusionen (stößt die Grundregulation an, verbessert den Säure-Basen-Haushalt und reduziert den Schmerz), dazu die Einnahme von Basenmitteln (finden Sie z.B. unter http://www.basic-world.de) und ggf. die Einnahme von Schmerzmitteln. Bei den Schmerzmitteln fängt man bei den einfacheren an, wenn die nicht ausreichen, dann nimmt man stärkere. Das wird soweit gesteigert, bis annähernde Schmerzfreiheit erreicht ist.
    Das klingt jetzt vielleicht erstmal kompliziert, ist aber im Grunde ganz einfach: alles was Sie beim Gesundwerden stört, soll möglichst beseitigt werden und im Gegenzug soll das gestärkt werden, was Ihnen hilft.
    Also eigentlich ganz einfach…

    Herzliche Grüße

    Dr Thomas Beck

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