Praxiswebseite von Dr. Dr. Thomas Beck

Gesundheit und Lebenskraft

RHEUMA: Ursachen und Behandlung

Was ist eigentlich Rheuma?

Unter Rheuma versteht man 200 bis 400 verschiedene Krankheiten des Bewegungsapparats – oder besser: des Bindegewebes – die schmerzhaft und chronisch verlaufen. Rheuma kommt von griechisch „rheo“ = „ich fliesse“  – und meint fliessende, ziehende, reißende Schmerzen. Diese Bezeichnung geht zurück auf die mittelalterliche Vorstellung der Humoralpathologie, nach der Rheuma durch ein Herunterfliessen von kaltem Schleim aus dem Gehirn zu den Extremitäten entsteht. Diese Vorstellung aus der Überlieferungsmedizin mag vielleicht im ersten Moment befremden, aber wenn man sich auf den Gedanken einlässt, kann man vielleicht das Bild nachvollziehen. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden rheumatische Erkrankungen teilweise ähnlich erklärt.

Also ist Rheuma ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen, die man heute besser als „Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises“ bezeichnet. Dazu gehören:

  • Die akute (bakterielle) Polyarthritis, Rheumatisches – Fieber, rheumatische Herzentzündung (Endokarditis, Myokarditis, Perikarditis); immunologische Allgemeinerkrankung, kann auftreten als Zweiterkrankung nach einem bakteriellen (Streptokokken) Infekt; Symptome: schmerzhafte Rötung und Schwellung verschiedener Gelenke, hohes Fieber
  • Am häufigsten ist die akute rheumatische Arthritis oder auch rheumatoide Arthtritis (RA) oder „Gelenkrheumatismus“ und entzündlicher Gelenkrheumatismus“  genannt.  Es handelt sich dabei um eine akute Entzündung der Gelenkinnenhaut (“Synovia“ in Gelenken, Sehnenscheiden und Schleimbeuteln). Hierzu gehört auch der Morbus Bechterew. Diese akute Form der RA geht meist über in:
  • Chronisch degenerativer Rheumatismus oder Arthrose oder Arthrosis deformans oder primär chronische Polyarthritis (PCP), Spondylose, Osteochondrose; (fortschreitende abakterielle Entzündung zahlreicher Gelenke), ⅔ aller Menschen über 70 Jahre, typische Morgensteifigkeit der Gelenke. Ein Fortschreiten der Erkrankung führt schliesslich zur Zerstörung der Gelenke.
  • Muskelrheumatismus oder Weichteilrheumatismus betrifft nicht die Gelenke sondern Muskeln, Sehnen und Schleimbeutel; ca 40 % der rheumatischen Erkrankungen

a) lokal begrenzt wie bei Tennisellenbogen, Sehnenscheidenentzündung, Karpaltunnelsyndrom, Schulter-Arm-Syndrom, Morbus Sudeck,…

b) generalsisiert: Fibro-My-Algie – wörtlich also: „Bänder‑ Muskel‑ Schmerz“; früher auch Fibrositis genannt

  • Kollagenosen wie z.B. Sklerodermie als systemische Erkrankungen. Hier sind dann oft nicht einzelne Organe betroffen, sondern gleichartige Gewebe in unterschiedlichen Organen wie bei den sehr schwerwiegenden und meist auch ernst verlaufenden Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitiden).
  • Rheuma kann die unterschiedlichsten Organe wie auch das zentrale Nervensystem (ZNS) betreffen, so wird von manchen auch die Multiple Sklerose zu den rheumatischen Erkrankungen gezählt, (die wir übrigens auch mit Procain behandeln!)

Ursache

Bei den rheumatischen Erkrankungen handelt es sich meist um sogenannte Autoimmunerkrankungen. Die Abwehr (weisse Blutzellen) richtet sich aus unbekanntem Grund plötzlich gegen eigene Gewebe und greift diese an – bis zur Zerstörung. Dieser Angriff führt zu einer Entzündung. Die Entzündungen können mit oder ohne bakterielle Ursache auftreten.

Integrativ medizinisch – naturheilkundlich verstehen wir die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises als Bindegewebserkrankungen (Mesenchym) auf der Basis eines gestörten Stoffwechsels (Metabolismus). Das Neuro‑ Vegetative Milieu ist gestört.

Durch eine eiweißlastige Ernährung (Fleisch und Fisch) produziert der Stoffwechsel vermehrt Harnsäuren (Gicht), die in der Leber über den Harnstoffzyklus (Ornithin‑ Citrullin) abgebaut werden (bei jedem der vier Stoffwechselschritte wird ein stickstoffhaltiges Abbauprodukt (AmmoniumIon) in eine Aminosäure eingebaut und damit entfernt).

Der Stoffwechsel (Metabolismus) ist in saurem Milieu verlangsamt und erschwert. Ein schlechter Stoffwechsel produziert vermehrt Säuren. Umgangsprachlich sagt man: ich bin „sauer“.

Die Säuren müssen neutralisiert werden durch Puffersysteme, durch Ausscheidung (Darm, Leber, Niere, Haut, Lymphe und Atmung) oder durch Ablagerung (im Bindegewebe). Das führt zur latenten Bindegewebsübersäuerung (Azidose). Das Bindegewebe (Mesenchym) wird zum Zwischen‑ und Endlager für Säuren („Schlacken“) und in seiner ausgleichenden (homöostatischen) regenerativen Funktion behindert, die Entzündungsneigung steigt an.

Es gibt in der klinischen Medizin viele Belege für entzündliche Ursachen bei Rheuma: Das rheumatische Fieber (Akute Polyarthritis) tritt typischerweise bei disponierten Patienten nach einem Streptokokkeninfekt auf. Bei einer bestimmten Gruppe von rheumatischen Krankheiten, den „infektreaktiven Arthritiden“, konnte man nachweisen, dass die rheumatischen Symptome nach einer bakteriellen Infektion z.B: des Darms oder des Urogenitaltrakts auftreten, also als Reaktion auf eine bakterielle Überschwemmung des Körpers, eine bakterielle Entzündung ist also der Auslöser. Beim Gelenkrheumatismus führt bekanntermaßen die chronische Entzündung zur Gelenkszerstörung.

Zum Zusammenhang von Immunsystem und Darm:

In der Darmschleimhaut (in den „Peyerschen Plaques“) liegt das größte Reservoir an Immunzellen. Entzündungen behindern die Bildung und Aussendung der Immunzellen, es kommt zu Störungen des Immunsystems. In wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die meisten rheumatischen Erkrankungen eine Störung des Immunsystems zur Ursache haben:

„Viele Rheumatiker haben eine chronische Darmentzündung, was auch zu einer verminderten Aufnahme z.B. von Zink führt (bei gleichzeitig erhöhtem Verbrauch und Bedarf), dabei schwächt Zinkmangel das Immunsystem und die Funktion der Thymuszellen. Bereits seit längerem ist bekannt, dass Zink zu einer Stabilisierung der Lysosomenmembran führt. Dreimonatige Zinksubstitution konnte auch Laborparameter wie erhöhte Alpha-2-Globuline sowie eine erhöhte Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit positiv beeinflussen. Zink ist Co-Faktor der Superoxiddismutase, die als Radikalenfänger fungiert bzw. Wasserstoffsuperoxid abbaut“ (Auszug aus der Österreichischen Apothekerzeitung: http://www.oeaz.at/zeitung/3aktuell/…_2002defi.html)

Aus der Fettsäure Arachidonsäure werden Entzündungsfaktoren (Eicosanoide) gebildet. Diese Entzündungsmediatoren lösen die Entzündungen aus: Thromboxan2, Prostaglandin, Leukotriene. Nur tierische Lebensmittel enthalten höhere Mengen Arachdonsäure. Das sind vor allem tierische Fette, den höchsten Arachidongehalt haben Schweineschmalz (1700 mg/100g Lebensmittel) und Schweineleber (870 mg/in 100gr) (nach: Adam 1994). Eine Reduktion von Arachidonsäure vermindert die Entzündungsmediatoren und damit die rheumatischen Entzündungen. Durch die vermehrte Zufuhr von Omega 3 Fettsäuren (aus bestimmten Fischen, sehr hohe Konzentration in LEIN‑ÖL aus Leinsamen) kann die Arachidonsäure aus dem Enzymsystem der entzündungsauslösenden Stoffe verdrängt werden.

Es konnten zwar genetische Einflüsse (Vererbung der Veranlagung) und Umwelteinflüsse (Rauchen verschlechtert) nachgewiesen werden. Die eigentliche Ursache dieser Störung des Immunsystems ist aber bisher wissenschaftlich nicht geklärt.

Rheumatische Symptome können auch auftreten als Begleiterscheinung anderer Krankheiten z.B. bei Morbus Parkinson, Osteoporose, bösartigen Erkrankungen oder bei Depression.

Außerdem konnte man nachweisen, dass Verletzungen Rheuma auslösen können und dass mangelnde Bewegung Rheuma verstärken kann.

Zusammenfassung: Eiweißlastige Ernährung und tierische Fette (Arachidonsäure) führen zu vermehrter Produktion von Säuren, die u.a. im mesenchymalen Bindegewebe auch des Darms abgelagert werden (latente Gewebsazidose). Diese Übersäuerung behindert die Funktion aller stoffwechselaktiver Gewebe, was zu einer Entzündungsneigung führt, auch des Darms (Ort der Immunkompetenz). Omega 3 Fettsäuren und Zink wirken dem entgegen.

Auslösende Ursache einer rheumatischen Erkrankung ist häufig eine Entzündung auf dem Boden eines übersäuerten Gewebsmilieus, die über die gestörte Immunkompetenz zu einer Autoimmunkrankheit (Rheuma) führen kann.

Nachweis von Rheuma

Zeichen von Rheuma: nachdem es sehr darauf ankommt, schnell die akute rheumatische Arthritis zu erkennen und zu behandeln, ist eine frühe Diagnose sehr wichtig.

Was sind die Verdachtsmomente?

  • weiche Schwellung eines oder mehrerer Gelenke
  • Morgensteifigkeit von mehr als 30 Minuten
  • Nachweis einer Entzündung durch erhöhte BSG (“Blutsenkung“)oder/und C-RP Werte (C-reaktives Protein)

Wenn diese 3 Symptome vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit gr0ß, daß es sich um eine RA handelt.

Als nächster Schritt sollte die Diagnose gesichert werden. Dies geschieht heute durch den Nachweis von

  • Rheumafaktoren (nicht beweisend! siehe unten)
  • Antikörper gegen zyklische Proteine (APCA)
  • Bildgebende Verfahren wie Power Doppler Sonographie, MRT, Röntgenbild (hiermit können bereits vorhandene Knochenschäden nachgewiesen werden, aber keine Entzündung). In Spezialpraxen gibt es seit neuestem den „rheumascan“, ein radiologisches Verfahren, bei dem bestimmte Fluoreszenz‑ Farbstoffe in die Venen injeziert werden, die mittels Fluoreszenzkamera Entzündungsherde auch in kleinen Gelenken sichtbar machen.

Was sind „Rheumafaktoren“?

Man kann Marker für die Störung des Immunsystems im Blut nachweisen (IGM – Antikörper oder auch  „Rheumafaktoren“). Allerdings hat nicht jeder Rheumatiker diese Marker im Blut – und es gibt auch Menschen, die kein Rheuma haben und dennoch diese Marker aufweisen. Insofern kann eine rheumatische Erkrankung hiermit nicht bewiesen werden, sondern die Marker werden eingesetzt zur Verlaufkontrolle und als Suchtest bei Verdachtsdiagnose.

Die chronischen Entzündungen bewirken an den Gelenken zunächst: Erguß, Schwellung, Rötung und Dauerschmerz und als Spätfolge schliesslich: Gelenkzerstörung, Fehlstellung, Funktionsverlust.

Die Sicherung von Diagnose, Bestimmung des Stadiums und Verlaufskontrolle erfolgt durch:

  • Beachtung der Symptome
  • Gründliche Anamnese (Krankengeschichte) und genaue körperliche Untersuchung
  • Labor (Nachweis von „Rheumafaktoren“, Antikörpern APCA‑ siehe oben)
  • Bildgebende Verfahren (Röntgen, Szintigraphie, CT, NMR)

Therapie

Ich werde immer wieder gefragt, welche Therapie ich denn konkret empfehlen würde. Ich empfehle, in einem ersten Schritt konsequent die Entzündung reduzieren und damit auch die Schmerzen herunterzufahren. Dabei versuchen wir, auch möglichst die Fähigkeit zur Selbstreparatur zu stärken (und nicht zu unterdrücken) und deswegen Störungen der Regulation durch Blockaden/Störfelder wie z.B. Narben und die bereits genannten Entzündungen konsequent zu beseitigen. Wenn die Schmerzbehandlung mit naturheilkundlichen Mitteln alleine nicht gelingt, dann setzen wir auch schulmedizinische Medikamente ein.

In letzter Zeit kommen aber auch schulmedizinsch „austherapierte“ Patienten zu uns. In einer solchen verzweifelten Situation kann durch eine intensive naturheilkundliche Therapie oft noch viel erreicht werden, im Ausnahmefall sogar eine völlige Beschwerdefreiheit.

Im konkreten Einzelfall wird es dann aber oft sehr kniffelig, weil einerseits effektive Schmerzmittel eingesetzt werden müssen, diese Medikamente andererseits aber oft die Regulation behindern (dieses Problem ist vielen Menschen bei dem Medikament Cortison bekannt). Man muß im Einzelfall also genau prüfen, was Vorrang hat und in der Regel wird man eine Mischung aus beidem praktisch durchführen: also einerseits eine effektive Schmerztherapie (das können Ärzte in der Regel sehr gut) und andererseits gleichzeitig aber Maßnahmen zur Stärkung der Grundregulation durchführen. Das geht dann oft ganz pragmatisch: man erhöht zunächst die Entzündungs‑ und Schmerzmittel, bis eine gut erträgliche Situation erreicht ist. Dann versucht man allmählich die Schmerzmittel wieder zu reduzieren, um die Grundregulation zu verbessern.

Entzündungs‑ und Schmerzprozesse sind sehr komplex (siehe weiter oben): der Körper schüttet Botenstoffe aus (z.B. Prostaglandine und Entzündungsmediatoren), das Gewebe wird „sauer“. Zudem verändern Hormone die Schmerzempfindung: Progesteron und Testosteron zum Beispiel heben die Schmerzgrenze an (man wird unempfindlicher). Das ist wichtig z.B. für die Entbindung am Ende einer Schwangerschaft (hier haben wir extrem hohe Progesteronwerte, die Schmerzschwelle ist sehr hoch). Im Unterschied dazu sinkt in den Wechseljahren zunächst der Progesteronspiegelund die Schmerzempfindlichkeit steigt (bis dann später auch das Östrogen schnell abfällt).

Insofern ist eine genaue Erhebung der Krankengeschichte und dann gegebenenfalls auch die Bestimmung bestimmter Hormonwerte gerade bei Rheuma sehr wichtig für eine gute Therapie. Ich würde also empfehlen, grundsätzlich auch in ein ordentliches Labor zu investieren und an den Ergebnissen die Therapie auszurichten.

Man unterscheidet a) die Schmerztherapie und die b) Basis-Therapie.

In unserer Praxis hat sich als Kombination aus beidem die Procain Basen Infusion (PBI) sehr bewährt.

Hierbei wird in steigender Konzentration in der Regel zweimal die Woche eine Mischung aus Procain und NatriumBicarbonat (“Basenmittel“) über die Vene infundiert. Dies führt einerseits zu einer zunehmenden Schmerzdämpfung (durch das Procain) und auch Löschung des Schmerzgedächtnisses im Gehirn. Andererseits wird durch durch die Basenkompenente die vermehrt angefallenen Säuren abgepuffert und damit die Entzündung an Ihrer Ursache bekämpft. In der Kombination von Procain und Natriumbicarbonat verstärken sich die Wirkungen und zudem ist die Gabe deutlich höherer Konzentrationen möglich.

Schmerztherapie

a)      Reine Schmerzmittel (Analgetika) ohne Entzündungshemmung:

  • Paracetamol (Ben-uron)
  • Metamizol (Novalgin)
  • Flupirtin (Katadolon, Trancopal)
  • Opioide             Tramadol: (Tramal, Tramadolor)     Morphin: (MST)

b)      Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), mit Entzündungshemmung

  • Acetylsalicylsäure Derivate (z.B. Aspirin)
  • Arylproprionsäure Derivate (z.B: Ibuprofen)
  • Arylessigsäure Derivate (z.B. Diclofenac)
  • Indolessigsäure Derivate (Indometacin – ursprünglich ein Gichtmittel)
  • Anthranilsäure Derivate (z.B. Flufenamin‑, Mefenamisäure)
  • Oxicame (z.B. Piroxicam)
  • Pyrazolindione (z.B. Phenylbutazon, Metamizol)
  • Cox2 Hemmer (Coxibe) (Neue Gruppe der NSAR)

c)       Steroidale Antirheumatika

  • Kortikoide (z.B. Prednisolon)

Basistherapie

Hierunter versteht man Medikamente, welche die Antwort des Immunsystems unterdrücken „Immunsuppressiva“. Eine „Basismedikation“ muß ein Leben lang eingenommen werden. Oft ist das allerdings das kleinere Übel in Abwägung gegenüber den häufig massiven Symptomen.

Bevor man sich zur Basismedikation also Immunsuppression entschliesst, würden wir immer einen ausreichend langen und ausreichend intensiven Therapieversuch mit PBI (siehe oben) und mit anderen naturheilkundlichen Maßnahmen zur Milieusanierung (NVMT) empfehlen. Die naturheilkundliche Therapie kann jederzeit auch begleitend oder zunehmend intensiver zu einer immunsuppresiven Basistherapie durchgeführt werden.

Wichtigster Vertreter der Immunsuppressiva ist Methotrexat (MTX), MTX ist ein Folsäureantagonist und deshalb sollte MTX immer mit Folsäure kombiniert werden. Andere Immunsppressiva sind : Cyclophosphamid, D‑ Penicillamin, Sulfasalazin und verschiedene Goldpräparate.

Wenn nach zwei bis drei Monaten durch MTX kein ausreichender Therapieerfolg erreicht werden kann (Masstab ist üblicherweise die Entwicklung der Entzündungsparameter), dann wird in der Regel ein zweites neues Basistherapeutikum dazu kombiniert. Dies wird „Eskalation der Therapie“ genannt: biologicals oder TNF-alpha Blocker (z.B. Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Rituximab…)

Naturheilkundlicher Therapieansatz

Grundlage ist bei uns die Therapie mit Procain. Procain ist nicht nur ein bestens vertägliches lokales Schmerzmittel, es führt auch zu einer Normalisierung des gestörten Gewebestoffwechsels, es verändert die Durchblutung, stellt über das ATP in den Mitochondrien den Zellen mehr Energie zur Verfügung und moduliert das Vegetative Nervensystem. Zudem kann es auf die Synapsen im Gehirn einwirken und den Abbau bestimmter Übertragerstoffe durch Veränderung der Enzyme regulieren. Oben wurde die Procain‑ Basen‑ Infusions‑ Therapie beschrieben, mit der auch größere Mengen Procain als Infusion gegeben werden können.

a)      Systemisch Umstellung der Ernährung (auch um die Entzündungsmediatoren zu reduzieren):

Reduktion von arachidonhaltigen Nahrungsmitteln und

Einnahme von Fischöl (omega 3 Fettsäuren),

vermehrt Alpha‑ Linolen Säure: enthalten in Leinöl, Rapsöl, Weizenkeimöl, Walnussöl und Sojaöl,

vermehrt DiHomo‑ Gamma Linolensäure: enthalten in Nachtkerzenöl, Johannisbeeröl und Borretschöl (Reformhaus) Dosierung 2–3 g täglich

Orthomolekulare Medizin (siehe unten)

ggf. Umstellung auf vegetarische Ernährung,

Basenkost

u.U. Fasten

Regulation des Stoffwechsels, Bekämpfung der Übersäuerung (Azidose): durch die Einnahme von basischen Präparaten, Procain‑ Basen‑ Infusionen, Erhöhung der Pufferbasen und Mineralisierung

Aktivierung der Ausscheidungs‑ und Entgiftungsorgane: Leber/Galle, Darm, Haut, Atmung, Lymphe: feucht heisse Leberwickel, Kräuterbasen, Bewegungsübungen, Atemtherapie, Wickel, Ausleitungstherapien: mit basischen Bädern (Sitz/Fußbad)

Darmsanierung (z.B. mit Colon Hydro Therapie CHT) und/oder mikrobiologischer Therapie und damit auch Regulation der Immunantwort

b)      „Geistiges Entschlacken“ Lebensordnung, Stressbewältigung  www.das-stress-seminar.de

c)       Bewährte pflanzliche Arzneimittel für den Bewegungsapparat

  • Teufelskralle
  • Weihrauch (wirkt auch gegen Entzündungsmediatoren) Achtung: bei unklarer Herkunft oft hohe Bleibelastung!
  • Rhus toxicodendron comp

d)      Lokale Therapie und Schmerztherapie: physikalische Therapie: Kälte beim akuten Rheumaschub (als Kryotherapie in der Kältekammer), Wärme bei chron. Rheuma

e)      Sinnvolle Zufuhr von Orthomolekularen Substanzen (Mischung nach Dr. Dr. Beck):

  • Zinksulfat 3 × 50 mg Erhaltungsdosis/bzw 3 × 200mg zum Auffüllen (organischer Zink) (wenn die Speicher einmal geleert wurden, braucht es häufig Monate zum Wiederauffüllen – bis dahin 3 × 200mg); Zink wiederholt auch als Infusion wegen der begrenzten Aufnahmekapazität des Darmes (bei Einnahme als Tablette kann gelegentlich Übelkeit auftreten)
  • Selen 200 mcg (nicht zusammen mit Vit Ⅽ einnehmen, 2 Stunden Abstand halten). Die Ascorbin-Säure Vit Ⅽ kann Selen inaktivieren. Manche berichten von Durchfall, wenn zuviel Selen eingenommen wurde.
  • Vit Ⅽ (Antioxidans) 3 × 1 gramm
  • Magnesium 3 × 100 mg
  • Omega 3 Fettsäuren 1 × 5 gr
  • Multivitaminpräparat (C, E, Provitamin A, B1, B2, B6)

5 Reaktionen zu “RHEUMA: Ursachen und Behandlung”

  1. Christa Lais-Ernsberger

    Schmerzmittel bei Lupus erythr.

  2. Christa Lais-Ernsberger

    Frage : Schmerzmittel bei Erythromat.

  3. BeckDoc

    Sehr geehrte Frau Lais Ernsberger

    gern würde ich auf Ihre Frage antworten, ich befürchte nur, daß ich Sie leider nicht wirklich verstanden habe.
    Wollen Sie gern wissen, welche Schmerzmittel ich bei Erythromatose und bei Lupus empfehlen würde?

    Grundsätzlich bin ich ein Befürworter einer sogenannten „Grundbehandlung“. damit ist eine „grundlegende Regulationsstärkung“ gemeint, also der Körper soll wieder in die Lage versetzt werden, sich selber zu heilen.
    Dazu gehören die effektive Behandlung des Säure-Basen-Haushalts, genauso wie Maßnahmen zur Beseitigung von Störherden (Neuraltherapie), Ausleitung von Stoffwechselendprodukten (“Schlacken“) und von einlagerten Schwermetallen.
    Aber auch die seelische Ebene (unerlöste seelische Konflikte) muß einbezogen werden.

    Was das praktisch an Maßnahmen bedeutet, muß man dann im Einzelfall genau überlegen. In der Regel empfehle ich bei meinen Patienten eine Serie (mindestens 8–12) von Neuraltherapiebehandlungen und Procain‑ Basen‑ Infusionen (stößt die Grundregulation an, verbessert den Säure-Basen-Haushalt und reduziert den Schmerz), dazu die Einnahme von Basenmitteln (finden Sie z.B. unter http://www.basic-world.de) und ggf. die Einnahme von Schmerzmitteln. Bei den Schmerzmitteln fängt man bei den einfacheren an, wenn die nicht ausreichen, dann nimmt man stärkere. Das wird soweit gesteigert, bis annähernde Schmerzfreiheit erreicht ist.
    Das klingt jetzt vielleicht erstmal kompliziert, ist aber im Grunde ganz einfach: alles was Sie beim Gesundwerden stört, soll möglichst beseitigt werden und im Gegenzug soll das gestärkt werden, was Ihnen hilft.
    Also eigentlich ganz einfach…

    Herzliche Grüße

    Dr Thomas Beck

  4. Helga Torbohm

    Sehr geehrter Herr Beck,
    mit Interesse habe ich Ihre Ausführungen zum rheuma gelesen.
    Meine Tochter 11 Jahre, hat im sebtember 2010 sehr plötzlich einen schweren Rheuma anfall gehabt, von dem sie sich bis heute nicht richtig erholen konnte. Nun ist natürlich meine Frage: wie kann ein 11 jähriges Mädchen schon eine Ernährungsbedingte Krankheit in diesem masse haben. Wir kochen zu 80 % frische Lebensmittel meistens Bio. laut labor hat sie keine Überseuerung sondern ein ausgglichner Basen wert.
    Aber für mich wichtiger was kan ich bei einem Kind für Entschlackung tun. Was kann ich tun um all die Gifte(medikamente) entgegen zu wirken. Sie nimmt seit Oktober MTX, Nabroxen, Prednisilon. Die Bewegungseinschränkungen in Ihren Gelenken sind bis heute nicht verschwunden aber doch etwas besser geworden.
    Die Bewegungseinschränkungen hatte sie an allen Gelenken auser Kiefer und Halswirbelseule. Die Bewegungseinschränkungen kammen innerhalb von 4 Wochen, konnte Sie keine Faust
    mehr machen und keine 200m laufen.
    Ich bin hilflos.

  5. BeckDoc

    Sehr geehrte Frau Torbohm,
    das klingt ja richtig schrecklich. Rheuma ist eine wirklich scheußliche Krankheit, die eben nicht nur alte Menschen betrifft, wie viele glauben.

    Zu Ihrem Fall kann ich nur allgemeine Antworten geben, eine direkte Patientenberatung übers Internet ist aus vielen Gründen nicht zulässig. Wenn Ihnen die Antwort nicht ausreichen sollte, dann können Sie sich gern in der Praxis einen Termin für ein persönliches Gespräch geben lassen.

    Nun zu Ihren Fragen: ja auch Kinder können natürlich eine ernährungsbedingte Erkrankung bekommen, das ist heute auch gar nicht so selten. Allerdings steht für mich nicht fest, daß es sich bei Ihrer Tochter wirklich um eine ernährungsbedingte Rheumatische Erkrankung handelt, das müsste man genauer analysieren.
    Es ist grundsätzlich hilfreich, wenn Sie vermehrt Bio kochen und essen, allerdings reicht das oftmals leider nicht aus. Rheuma ist eine AUTO-IMMUN-Erkrankung, das heisst, das Immunsystem meint fälschlicherweise, daß bestimmte Gewebe „fremd“ sind und greift diese an. „Rheuma“ ist also gewissermaßen eine Verwirrung des Immunsystems.

    Zwar ist der Dickdarm die Hauptquelle der B-Lymphozyten, die sehr wichtig sind für die Immunabwehr, aber es spielen noch viele andere Faktoren mit.
    Und – nebenbei bemerkt – eine Bio-Ernährung alleine macht noch keinen gesunden Darm!

    Ihre Tochter bekommt eine massive sogenannte „Basistherapie“. So versuchen die Kollegen, das Immunsystem zu unterdrücken und die Gelenke zu schützen. Allerdings schreiben Sie, daß das bisher nicht erfolgreich war.
    Auch in Anbetracht des sehr jungen Alters erscheint es deshalb richtig, nach Alternativen zu suchen.
    Dies ist aber erst sinnvoll, wenn mehr Klarheit über die Ursachen erreicht ist und deshalb sollte das als Nächstes angegangen werden.

    Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute
    mfg

    Dr. Dr. med. Thomas Beck

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